24. Mai 2016

Abschied

Nikka got a little sprouting spring hat for those cool and rainy days in may. And I feel liberated but also unexpectedly sad and sentimental because my baby (not any more!) is weaned shortly before her second birthday.

Ich hatte nicht vor, meine jüngste Tochter 'extra-lang' zu stillen. Co-sleeping war mir lange kein Begriff. (Unsere Große hatte sich mit einem Jahr selbst abgestillt und früh von sich aus im Beistellbett durchgeschlafen.) Aber als dieses zweite Baby so einen Genuss an der Muttermilch zeigte und die ständige Nähe suchte, ging ich gern darauf ein und hatte fortan stets ein duftendes Bündel vor mir im Tuch und neben mir im Bett.
 
Ihr Genuss und das Verlangen danach ließen nicht nach - auch als sie früh schon am Familientisch alles mit Vergnügen probierte.

Und nun, mit fast zwei Jahren, ist sie 'abgestillt'.

Ich hatte nichts mehr anzubieten. Auf ihr Bitten und Flehen kamen über den Tag vielleicht ein oder zwei Schlückchen zusammen. Wie sie dann immer strahlte. Vor einer Woche sagte ich: "Es ist doch nichts mehr da." Und sie wollte statt dessen "Tuscheln und Tuss deben".
Und das war's.

Mich aber stimmt dieser Abschied ganz unverhofft wehmütig.
Und gleichzeitig fühle ich mich leichter und freier.
Ging euch das auch so?

Auch Nikka mit ihrer Frühlingsmütze haben wir nun Auf wiedersehen gesagt. Sie macht sich auf den Weg in den Schwarzwald, wo sie am Waldrand auf einem einsamen alten Hof leben wird. Sie wird wilde Beeren ernten, die Katze Mina streicheln und mit einem kleinen Mädchen zusammen durchs Leben gehen.

Mütze: Eigenes Muster (I-cord, freestyle Ohrenkläppchen, oben sehr abrupt abnehmen und einen kleinen Stängel stricken), Garn aus der Schublade.

Herzlichst, Lena

verlinkt mit creadienstag, maschenfein und yarn along
 




13. Mai 2016

Herzensbilder

"Bleib mal so, ich mach ein Foto!". Immer häufiger höre ich, wie Kinder dieser Aufforderung durch ihre Eltern folgen, wenn sie etwas besonderes entdecken oder erleben. Ein bunter Käfer im Gras, eine gelungene Verkleidung, ein neues Kunststück auf der Rutsche - all dies soll im Handy-Bild festgehalten und dann an Freunde oder Familienmitglieder verschickt werden. Das unmittelbare Erleben, die ungefilterte Freude des Augenblicks wird aufgegeben für ein vermeintliches Bewahren und Teilen. Kennt ihr das auch? Ist es das wert? Mir sind diese Fotomomente oft unangenehm und sie holen mich augenblicklich aus dem Erlebnis.
 
Andererseits gibt es von vielen wunderschönen Alltagsmomenten mit meinen Kindern keine Bilder. Die erste Erdbeere, die wir letzte Woche geerntet haben, die emsige Arbeit im Garten, die langen Abende auf dem sonnigen Balkon mit selbstgebaute Tragetuch-Hängematte, das erste Feuer des Jahres, hier in den Ferien.... alle 'Fotos' dazu existieren nur in meinem Herzen.
 
Wir sind für einige Tage mit Freunden in Dänemark. Dieses Mal sind wir nicht eine gar so große Gruppe wie im letzten Jahr. Doch auch hier kommen wieder ganz unterschiedliche Familien, Werte und Rhythmen zusammen und ergeben eine spannende, manchmal schwierige aber meist inspirierende neue Mischung. Das Natur-Puppenkind ist dabei und schaut mir über die Schulter während ich die Blumenpresse der Tochter mit immer neuen Wildkräutern fülle.
 
Herzlichst, Lena
 




 
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9. Mai 2016

Sommer-Mütze

We went from snowsuits to sunhats this past week. So there isn't much use for a knitted spring hat. But the temperatures are forecasted to drop considerably next weekend. Also, we are going to Denmark to spent one week at the sea. For now the big girl is wearing her new hat only in the mornings and resitantly takes it off once it gets too hot. I don't really find the time for reading but I'm still listening to old episodes of Melody's podcast.

Gerade hatten wir noch die Schneeanzüge an und nun ist es plötzlich sommerlich warm. Dass wir von dicken Wintermützen direkt auf Sonnenhüte umsteigen - damit habe ich nicht gerechnet! Die Frühlingsmütze für die Große wird zurzeit nur dekorationshalber auf dem morgenkühlen Balkon getragen. Dort leben wir dieser Tage, wenn wir überhaupt einmal zu Hause sind. Nach Tagen auf dem Land und in den Boberger Dünen und langen Grillnachmittagen mit Freunden kann man nun in der selbstgebauten Tragetuch-Hängematte entspannen. Man muss sich nur zu helfen wissen - oder eine fünfjährige Tochter haben.
 
Mein neues Projekt ist die Jacke für die Jüngste. Alles schien so einfach, wie bei der Mütze. Doch nun ziehen die Zöpfe - oder besser, Kordeln? - das Gestrick relativ stark zusammen und verändern die Maschenprobe. Natürlich habe ich erst gemessen, als beide Vorderteile bereits fertig waren. Auch nach dem Waschen und trocknen bleibt es knapp. Und Kinder wachsen. Meist schneller, als man denkt, gell? Also werde ich wohl wieder von vorn beginnen. Der Weg ist das Ziel.
 
Mütze: Garn Quince & Co Tern in Petrol, eigenes Muster
Jacke: Garn Geilsk Bomul ug Uld in Lila, eigenes Muster
Und was treibt euch um?
 
Herzlichst, Lena












2. Mai 2016

Frühlingsschwirren

Spring makes me plan far too many projects - I wish I could knit night and day! I've finally settled on one hat for my five year old, two cardigans for the girls and maybe a jumper for myself. I'm in love with so many patterns lately - Laflor, Flaum... how to choose? And you probably know Melody and her Manderine's Podcast? Isn't she adorable? She is a huge inspiration for me this spring!

Der Frühling ist zurück! Im Frühling plane ich gern. Ich habe Lust auf Neues. Meine Kraft scheint unendlich. Ich bin impulsiv und neige zu selbstüberschätzenden Strickvorhaben und spontanen Großeinkäufen in meinem Lieblingswollladen. Doch dann kann es mir passieren, dass meine Kraft plötzlich erschöpft ist, Zeit und Tempo nicht ausreichen, meine Pläne umzusetzen und ich mit einem Haufen wunderschöner Wolle dasitze, während es draußen zu heiß wird, um diese zu tragen.

Ich versuche mich also zu beherrschen. Aber ich plane und tüftle, träume und probiere. Den ganzen Tag könnte ich stricken und neue Garne testen. Besonders fasziniert bin ich von kleinen Spinnereien und Garnmanufakturen, die sortenreine Wolle verarbeiten. Wundervolle Sachen gibt es da, zum Beispiel Titus von Baa Ram Ewe. Dieses Garn besteht aus Wensleydale Longwool, British Alpaka und Blueface Leicester und wird in einer kleinen Spinnerei in Yorkshire hergestellt. In der Nähe hat die Schwester meiner Großmutter gelebt - eine faszinierende Gegend mit vielen alten Gewerken.
 
Damit ich später - wenn ich einmal mehr Zeit haben werde (in ferner Zukunft?) - noch weiß, was heute alles in meinen Kopf herumschwirrt, schreibe ich meine Erfahrungen mit den Garnen ins Notizbuch. Das Schreiben darin ist mir inzwischen genauso wichtig, wie das Stricken. Natürlich weiß ich, dass viele Ideen dort bleiben werden. Immerhin.
 
Und kennt ihr Mandarine's von Meldody Hoffman - ihr Podcast schwebt wohltuend ruhig daher. 
 
Was strickt ihr denn dieses Frühjahr (für euch selbst)? Habt ihr ein Lieblingsgarn? Oder einen Lieblings-Podcast? Schreibt ihr Tagebuch?
 
Meine etwas konkreteren Pläne:
  • Mütze für die große Tochter, Quince & Co Tern, eigenes Muster
  • Sommerjacken für beide Mädchen, Geilsk Bommuld og uld, eigenes Muster
  • Puppenjacke für Liam, Lettlopi, eigenes Muster
  • Flaum? La Flor? Woolfever Jumper? Für mich???
 
Herzlichst, Lena
 

 
 
 




26. April 2016

Das Allerschönste

Abends, wenn ihre kleine Schwester grade eingeschlafen ist, lege ich mich für einen Moment zu meiner großen Tochter und wir plaudern und kichern. Es ist meist die einzige Zeit des Tages, die wir nur zu zweit miteinander verbringen. Diese Minuten sind ihr heilig. Und ganz gleich wie schwierig der Tag gewesen sein mag, unser gemeinsamer Moment verbindet uns jeden Abend tief. 
 
Kleine Geschichten und Nöte aus ihrem Alltag kommen an die Oberfläche und Fragen, die noch keinen Platz gefunden haben. Gerne fragt sie mich auch: 'Mama, was war heute das Allerschönste für Dich?' Und dann erzählt sie ihrerseits von ihren größten Freuden. Und immer wieder bin ich erstaunt über die Einfachheit ihres Glücks - der gefunden Stock mit gebogenen Spitze, so perfekt zum Malen im Sand, das Hinkepinke-Spiel mit mir, ein gemeinsame Abendessen, bei dem alle sehr gelacht haben, das Wasserfarbenmalen im Kindergarten, die neuen Zähne der Schwester.
 
Ihr Blick hilft mir, das Glück in den kleinen Alltagsdingen zu sehen: In der ruhigen Mittagsstunde, während Schnee(!) und Sturm ums Dach pfiffen, die Spülmaschine leise surrend ihre Arbeit tat und ich diesem noch namenlosen Puppenkind für meine Nichte zu langem Haar und Kleidung verhalf.
 
Herzlichst, Lena
 
waldorfpuppe, lange haare puppe
waldorfpuppe, lange haare puppewaldorfpuppe, lange haare puppe

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19. April 2016

Refugium

Als ich dreizehn war, hatte ich einen Babysitter-Job: Zwei kleine Jungs, Katzen, Hühner, Pferde, ein Garten und ein altes Haus gehörten zur Familie. Das Durcheinander, über welches meine Arbeitgeberin klagte, sah ich nicht. Ich fühle mich dort wohl. Das Haus war voll Leben - Bücher, Musikinstrumente, Freunde, Spielsachen, Essen aus dem Garten, Kinderlachen.... alles purzelte froh durcheinander. 
 
Aber es gab einen Raum, der war anders. Fast geheim. Fast verboten. Eine schmale Stiege führte vom oberen Stock weiter hinauf unter das Dach. Lange vermutete ich eine Abstellkammer dort oben. Nie sah ich jemanden hinauf gehen. Nie wurde der Raum erwähnt.
 
Schließlich fragte man mich, ob ich die Kinder einmal über Nacht hüten könne. Und zum allerersten Mal wurde ich die geheimnisvollen Stufen hinauf unters Dach geführt. Hinein in ein winziges Stübchen mit spitzzulaufenden Wänden, direkt unter dem Giebel gelegen. Es gab ein schmales Bett, ein Meditationskissen, ein niedriges Tischchen, einige Bücher, einige schöne Steine und einen kleinen frischen Wiesenblumenstrauß. Die Fenster in den Dachschrägen zeigten nur den Himmel.
 
Dieser kleine Raum war wie ein Nest ganz oben im Wipfel eines großen Baumes, wie der Ausguck im Mast eines geschäftigen Schiffes. Eine beruhigende, ja fast andächtige Stille ging von ihm aus. Ich betrat ein Refugium, ein kleines Heiligtum. Das bemerkte ich, ohne es zu verstehen.
 
Ich habe dort oben viele Male gut und ruhig geschlafen - während der Regen in Wellen um den First strich, während der Wind im Giebel pfiff, während die Sterne still auf mich herunter leuchteten und die Sonne früh den Himmel in rotes Leuchten tauchte. Dort gelang mir ein unaufgeregtes, einfaches zur Ruhe legen nach Tagen voller Leben und Lärm.
 
Nach diesem Raum sehne ich mich. Ein Rückzugsort - leer, still, der täglichen Unordnung entrückt. Ohne Kekskrümel, ohne Lego-Teile, ohne Wäschestapel, ohne Pfannkuchengeruch. Vielleicht können wir einen solchen Raum auch in uns selbst schaffen? Vielleicht können wir dort Klarheit und Ruhe einziehen lassen? Vielleicht bedarf es dazu nicht mehr, als ein paar Minuten auf der Yoga-Matte oder eines Spaziergangs (in den Boberger Dünen)? In meinem kleinen, heiligen Winkel jedenfalls, den ich mir eigens zum Stricken und Lesen eingerichtet hatte, steht zurzeit der Wäscheständer.
 
Ein neues Puppenmädchen schlüpft ganz langsam in unsere Frühlings-Welt. Heute hat sie flauschiges Haar bekommen. An meinem Bett liegt derzeit Christiane Kutiks 'Spielen macht Kinder stark'. Ich komme kaum über eine halbe Seite pro Abend hinaus. Der Frühling macht mich müde. Und woran tüftelt ihr?
 
Herzlichst, Lena
 



12. April 2016

Wilde Zeiten

Spring is here - the birch trees turned green over night and the girls are getting up with the birds. I feel tired but happy. We are riding our bicycles every day and explore the flea markets in the neighborhood. While the children paint the streets with chalk I'm busy knitting dolls cardigans. I finished the bubble hat and we love it. Everything seems green and pink. I'm reading the new book by Julie Zeh 'Unterleuten'. Is your spring slightly crazy too? - crazy in a good way!

Nun ist er doch eingetroffen, der Frühling! Über Nacht haben sich unsere Birken in kaum ahnbares Grün geworfen und die Kinder stehen seit einigen Tagen mit den Vögeln zusammen auf. Früheres Schlafenlegen meinerseits wäre eine gute Idee, doch kann ich mich abends nur schwer von meinen Freiheiten trennen. Und von Juli Zehs 'Unterleuten'
 
Die Frühlingsmütze ist fertig und wird geliebt - vom Kind und von mir. Überhaupt scheint mir alles hellgrün und rosa. Wir jagen auf den Nachbarschaftsflohmärkten, malen die Straßen bunt, fahren Rad ohne Mütze und essen Eis! Das Aufblühen der Natur und die machtvolle Rückkehr des Lichts öffnen die Sinne und gleichzeitig erschöpfen sie mich in ihren hiesigen Ausprägungen. Sinnvolle(re) Erzählungen und neue Bilder gibt es hier hoffentlich nächste Woche, wenn sich die Frühlings-Verrücktheit etwas gelegt haben mag. Erlebt ihr auch so wilde Zeiten? 
 
Herzlichst, Lena

Edit:
Mützenmuster Bubbles von Big Red Baloon (mit einigen Änderungen), Garn Tern von Quince & Co.
Strickjacken: Hand-me-down (klein) und auf dem Flohmarkt gefunden (groß).
Auf den Nadeln: Puppenjacke aus allerlei Garnresten.
Ausflug: Bis Buchenkamp mit der U-Bahn, dann zu Fuß durch den Wald bis zum Gut Wulfsdorf.





 
 
 
 
verlinkt mit creadienstag und maschenfein und yarnalong