9. Februar 2016

Weiter Schwimmen

Leben ist mir wie Schwimmen in großen Wellen - an guten Tagen tauche ich durch Brecher, lasse mich von den Wogen tragen und genieße jauchzend. Doch wenn die Kraft nachlässt, wenn der Rhythmus nicht mehr stimmt, wenn ich Wasser schlucke, Salz in den Augen und sich alles anfühlt wie der Untergang in einer Waschmaschine, dann wünsche ich mich einfach nur an den Strand. Mal liegen. Ruhig. Langweilig. Als Nichtschwimmer. Schlafen. Das wäre was.

Die vergangene Woche hatte wieder das komplette Spektrum: Ein Margen-Darm-Virus für die ganze Familie, sechs (!) neue Zähne für die Jüngste aber dann neue Kraft und ein vergnügt-verrückter Start in die Faschings-Woche.

Nun sitzt die kleine Madita also immer noch hier und macht sich erst heute endlich auf den Weg zu ihrer Puppenmutter - samt Krönchen, dessen  'Rezept' (abgewandelt und vertüftelt aber zuerst gesehen bei Couricoura) ich euch nachreiche, sobald hier die Krapfen-schmatzende Spaßvögel fortgezogen sind und keine Elefantenfüße mehr genäht werden müssen.

Herzlichst,
Lena




verlinkt mit creadienstag

2. Februar 2016

Synkopisch

Do you experience these syncopic projects that seem to build a bridge from one year to another? I've started knitting this soft and almost weightless shawl last year at the end of a crazy summer. Now, in the grey and misty air of early February it finally comes full circle. It binds these two seasons together; and also my former self - where I was then - and what I am now. To me, it makes transformation and transition tangible and at the same time the connectedness of everything. But above all its fluffy soft goodness keeps me warm and happy while walking around the 'Alster'.

Es gibt Projekte, die einen Bogen schlagen von einem Jahr ins andere, eine Verbindung schaffend, die gut tut, trotz all der frischen Anfänge. Wie dieser, mein silbergrauer Wolkenschal aus Mohair und Seide. Am Ende eines wilden Sommers habe ich begonnen. Nun ist er passend zum grau-nebligen Februar-Beginn fertig geworden und wärmt mich unter schwerelosen Fittichen weich einhüllender Geborgenheit beim Gang um die Alster.

Hast Du etwas noch unfertiges aus dem alten Jahr mit herüber genommen? Kehrst Du gern oder eher widerstrebend dazu zurück?

Herzlichst, Lena



25. Januar 2016

Im Winkel

Eigentlich hatte ich ganz anderes vor. Vieles bleibt zu erledigen - in Haus und Werkstatt. Doch da schien die Morgensonne durchs Fenster. Im Winter erreicht sie in der ersten Tageshälfte nur diesen Winkel unter der Gaube. Also flugs umgeräumt, einiges aussortiert und eine kleine lichtdurchflutete Näh- und Leseecke geschaffen, an der ich mich nun täglich freue. Ganz neu fühle ich mich in unseren alten Wänden.
 
I made room to create this little sewing and reading nook flooded with morning light. A magical corner of my own. Here I create and ponder, read and become quiet - in-between all those long winter hours with sick children and chores that never seem to cease. Two dolls are in the making and embroidering their woolly knits makes me happy these days. I'm reading Arno Gruen 'Wider den Gehorsam'.

Sortieren, ordnen, weggeben, umdenken, neu machen, auf den Kopf stellen - es fällt mir grade leicht, in diesen frostigen, wieder länger werdenden Tagen. Zwischen den abwechselnd kranken Kindern, den schlaf-armen Nächten, den grauen Tagen, an denen ich grade so eben das Allernötigste zu schaffen meine, gibt es diese hellen Stunden: Ruhe, Licht, Blumen, Bücher (u.a. A. Gruen Wider den Gehorsam), Inspiration, meiner Hände Arbeit. In diesem Winkel für mich allein.
 
Zwei Puppenmädchen entstehen während draußen die Meisen schon kräftigere Lieder wagen. Und ich sticke in weit vorauseilender Vorfreude bereits Blumen auf Strickjacken.
 
Herzlichst, Lena
 
 


12. Januar 2016

Weniger

Das Wesentliche zu erfassen und zu gestalten, alles andere, unwichtige weglassend, das ist eine große Herausforderung meiner täglichen Arbeit - ja der ganzen Lebensgestaltung. Wie inspirierend ist es, dieser Kunst von Angesicht zu Angesicht anschaulich zu werden. Die Tuschepinselzeichungen und Stiche (nur wenig Aquarelle und Öl) von Schleppern und Seglern auf der Elbe offenbaren Emil Nolde einmal mehr als Meister des Reduzierens. Mit wenigen Strichen schafft er Alles. Und die von seiner schwarzen Tusche unberührten Bereiche schaffen eine Spannung und eine Offenheit zugleich, die uns viel Raum lässt für unsere eigenen Geschichten, Imaginationen, Empfindungen.

To concentrate on the essential and to leave out all clutter and unimportant embellishment is something I strive for in my craft and life. To be inspired by an art that makes exactly this capacity of concentration visible makes me happy and thankful. Emil Nolde managed to show the world with just a few brush strokes leaving vast empty spaces to our own imagination. His pictures remind me of  calligraphy. The current exhibition at the Hamburg Kunsthalle is worth a visit. 

Meanwhile I'm knitting a new shawl with Tern by Quince and Co. And I'm still working on my big silk-mohair 'cloud' - it is so very light but warm, I can't wait for it to be finished. Not long now! The dolls come and go as usual. And winter surrounds us with its muteness and empty skies.

  
Ich stricke derweil ein weiteres Tuch - Garn: Tern von Quince & Co - und immer noch an meiner Wolke aus Seide-Mohair. Beide reduziert krausrechts und freestyle. Hin und wieder blättere ich im Nolde-Katalog. Die Puppen kommen und gehen - sowieso.

bis zum 10. Februar in der Kunsthalle 
- wer kann, möge hingehen.
Herzlichst, Lena









5. Januar 2016

Kreise

This time of the year when all excitement ceases and winter calms and clears my thoughts - it's probably my favorite. Happy new year to you all and thank you for being here!

Früher hat mich diese Zeit wehmütig gestimmt: Keine Weihnachtsgeheimnisse sind mehr in verbotenen Zimmern zu erspähen, alle Geschenke wurden ausgepackt, die Feste sind gefeiert. Die prickelnde Vorfreude, die Pläne, die Heimlichkeiten - vorüber. Plötzlich steht Dreikönig bevor, der Weihnachtsbaum verliert seine Nadeln, die Krippe packen wir ein. Der flirrende Glitzernebel der Weihnachtszeit hast sich gesenkt, die Stille zwischen den Jahren und die durchscheinende Zeit der Raunächte weicht dem Alltag.

Noch spielen die Kinder täglich mit ihren Geschenken. Noch sind die Weihnachtsbücher nicht ausgelesen. Einige Lebkuchen liegen noch in der Dose.
Aber es ist vorbei.  
Und ein neuer Jahrkreis beginnt.

Heute mag ich diese Zeit.
Die Ruhe, die einkehrt. Die Kälte, die mich befreit und erfrischt. Die dankbare Gewissheit, dass wir gut gefeiert haben und gemeinsam, die Aufregung genießend, eine schöne Zeit geschaffen haben.
Heute liegt das neue Jahr so ruhig und unbeschrieben vor mir und in mir, wie der Schnee vor dem Haus.


Alles Gute wünsche ich Euch!
Herzlichst, Lena


Milla ist unser Schneeflöckchen - mit Beinamen Einstein.
Nun hat die Jüngste endlich auch ihre eigene Puppe.
Schneeanzug und Mütze aus Alpaka nach eignem Muster.



22. Dezember 2015

Dankend

Lasst uns die Augen klären und die Herzen öffnen für das Leuchten in der Welt.
Habt eine feine Weihnachtszeit, ein gutes Neues Jahr und Dank für eure Besuche hier bei mir und eure anregenden Worte und Gedanken!

Herzlichst, Lena

Let us clear our eyes and open our hearts to the light of the world.
Wishing you a Merry Christmas and a happy and healthy new year!


Fensterbild aus Karton, Seiden- und Transparentpapier.
Window transparency made from cardboard and tissue paper. 

verlinkt mit creadienstag und frontier dreams

15. Dezember 2015

Gelungen

Eigentlich kann sie alles allein. Haferbrei kochen. Die kleine Schwester anziehen. Eier aufschlagen. Sägen. Sie ist ja schon fünf! Sie staunt laut wie Lotta über die eigenen Fähigkeiten und ist meist sehr zufrieden mit sich. Beim Malen wird auch der neue kritische Blick sichtbar: Bilder werden nicht mehr ausschließlich aus dem Farbgenuss heraus improvisiert. Das vor dem geistigen Auge bereits genau Sichtbare spielt eine größere Rolle. Und der Schmerz angesichts einer Diskrepanz von Vorstellung und Realität.

She is capable of almost everything on her own now: cooking porridge in the morning, dressing her little sister, cracking eggs, sawing... you name it. Well, she is five now after all! And she is very happy about how she handles life - most of the time. While falling asleep the other night she told me: "The most important thing is, that I've landed here with Fubbs (her nickname for her little sister). I like you (parents) too. But Fubbs and I agreed to meet along time ago when we were still living between the stars." 

Sie plant die Bildaufteilung. Die Farben werden auf einem Extrablatt getestet und sorgfältig ausgewählt. Hin und wieder müssen mehrere Vorentwürfe zerknüllt werden. Und nach langer konzentrierter Arbeit seufzt sie zufrieden und erlöst. "Das ist mir aber wirklich fürchterlich gut gelungen! Das schenke ich Dir!" Und so hängt Marias kleiner Esel lächelnd über mir.

Ich bin jeden einzelnen Tag glücklich, dass sie zu uns gekommen ist. Sie sagt beim Einschlafen: "Eigentlich ist am wichtigsten, dass ich bei Fubbs (ihr Liebes-Name für die kleine Schwester) gelandet bin. Wir hatten uns schon verabredet, als wir noch bei den Sternen waren. Aber euch (Eltern) hab ich auch lieb. Am zweitliebsten. Nach Fubbs."

Und vorher, beim Anschauen der Murmeltiere im Tierbuch: "Mama, was ist ein Gebirge?" "Ein Gebirge sind viele große Berge zusammen - so wie viele Bäume ein Wald sind." Einige Tage später zur kleinen Schwester, die etwas gerötete Haut hat, von der Kälte: "Komm Fubbs, ich creme Dir mal dein Pickelgebirge ein!"
 

Ich bin mit meinem weihnachtlichen Puppenschneeanzug aus feinster Alpaka-Wolle auch ganz fürchterlich zufrieden. Und besonders gut finde ich, wie mir inzwischen auch die Innenseite gelingt. Die Filzornamente für den Weihnachtsbaum entstehen an den Nachmittagen, an denen das heimliche Strickzeug verborgen bleiben muss. Und beim allabendlichen stricken höre ich mich weiter durch die alten Episoden von knit.fm und woolful und staune und lerne.

I'm pretty happy with my colour work these days. I'm especially falling for the wrong side. Because I can't work on the secret Christmas gifts during the long crafty afternoons a few little felt ornaments for our tree are jumping off my fingers, too. [Edit: I've seen them at sustainablemum and was inspired to make my own.] This year we're truly enjoying a calm and slow Advent. I hope you find some quietness and peace, too.

Dieses Jahr gelingt mir der ruhige Advent. Das tut gut. Und wie ergeht es euch? Ich wünsche euch auch ein wenig Gemütlichkeit und friedliches Zusammensein.
Herzlichst, Lena